(G.Kl) Die Kirmes in der Rhön und auch die Schwarzbacher Kirmes hat eine sehr lange Tradition. Die Kirmes ist vom Ursprung her die Feier der Kirchweihe. Fast alle Kirchen sind einem Kirchenpatron geweiht, unser Schwarzbacher Rhöndom "Maria vom Berge Karmel". Doch seit Jahrhunderten wird neben diesem Patronatsfest, bei uns dem Skapulierfest, noch das namenlose Kirchweihfest am Wochenende nach Allerseelen gefeiert.

Dieser Brauch hat auch sehr mit dem Jahreslauf des ländlichen Arbeitslebens zu tun, war doch im späten Herbst auch Zeit, ein Fest im Dorf zu feiern. Für die meisten ist es kaum vorstellbar, dass nicht jedes Wochenende irgendwo etwas los war. Umso wichtiger war es, dass man zum Kirmestanz in die Gastwirtschaft gehen konnte.

Wie heute fragten die volljährigen Kirmesburschen die Frauen ihres Herzens, die "Dreireihen", nämlich Walzer, Rheinländer und Schottisch unter dem Kirmesbaum mitzutanzen. Es war eine gerne angenommene Abwechslung vom harten Arbeitsalltag. Oftmals war es auch eine der wenigen Gelegenheiten, das Tanzen zu lernen und einen Partner vielleicht fürs Leben kennen zu lernen.

Schon damals waren die Rhöner und auch insbesondere die Schwarzbacher trink- und feierfest, was sich offensichtlich ohne Verluste auf die heutige Generation übertragen und vererbt hat.

Die erste Nachkriegskirmes wurde 1950 gefeiert. Gustav Gutberlet, als russischer Kriegsgefangener eigentlich seiner Jugend beraubt, grub die Kirmes erstmals wieder als 1.Ploatzknächt aus. Nach jahrzehntelanger kirmesloser Zeit war es wieder Gustav Gutberlet, der 1980 die Kirmes der Neuzeit als Kirmesvater mit Peter Ortmann als 1. Ploatzknächt anstieß. Diese gute Seele der Schwarzbacher Kirmesgesellschaft prägte die Funktion des Kirmesvaters, so manchem Rhöner hat er tanzen und alte Weisen beigebracht. Seit 1990 ist Leo Meixner der Kirmesvater mit gleichem Engagement und Feuer.

Die Kirmes beginnt eigentlich schon im Sommer, sind doch erhebliche Vorbereitungen zu treffen. Aber auch die ca. 8 Wochen vorher haben es in sich: Der Baum muss geholt, am nächsten Samstag geschält, am nächsten weiß gestrichen und am folgenden rot gekringelt werden. Dann folgend müssen "Neest" geholt werden; die besten wachsen im "Nüster Looch" - nicht zu letzt wegen der Nähe zur Glückstein-Hochburg in Mahlerts. Die Frauen wickeln dann am folgenden Samstag die Kränze, während die Kirmesburschen die Spitze holen. Dies alles hat nur ein großes Ziel: einen schönen Rahmen zu bilden für die schönste Kirmes in der Rhön mit dem schönsten Kirmesbaum in Schwarzbach.

Früher hatten es die Kirmesgesellschaften noch leichter, konnten sie in Schwarzbach die Kirmes entweder beim Oberwirt oder beim Köss im Saal feiern. Heutzutage ist die Dorfscheune noch herzurichten, was immer wieder mit viel Liebe auch zur Sekt- bzw. Hutbar gelingt.

Nach Kirmesdisco und Samstagabend-Schwoof ist es dann am Kirmessonntag soweit: Die Original-Schwarzbachtaler holen mit der Kirmesgesellschaft Pfarrer, Ortsvorsteher und Bürgermeister im Dorf ab, um dann ab 14.00 Uhr die Dreireihen zu tanzen. Wie ist das alles doch für die Hauptakteure aufregend, so mancher Beruhigungstropfen muss einfach getrunken werden. Und wenn nach Walzer, Schottisch und Rheinländer endlich der Publikumswalzer ansteht, ist die Bierruhe zurückgekehrt und ein großes Fest wird gefeiert.

Doch der eigentliche Höhepunkt der Schwarzbacher Kirmes ist der Kirmesmontag. Nach der gemeinsamen Messe wird bereits um 10.00 Uhr wieder unter dem Kirmesbaum getanzt, so mancher gutgemeinte Kirmesspruch kommt nur als Krächzer hervor. Aber das schönste an diesem Tage ist, dass sich fast das ganze Dorf Zeit nimmt, dieses Fest auch an diesem Werktag, der für die Schwarzbacher ein Feiertag ist, zu feiern.

Die Kirmeszeiten des Verfassers sind schon einige Tage her, doch die Freude an der Schwarzbacher Kirmes soll auch als Dank an die jungen Leute ausgedrückt werden, die jedes Jahr wieder sich, aber auch nicht zuletzt uns Gästen ein schönes Fest bereiten.

Es sei erlaubt, an unsere lila Kirmes 1989 zu erinnern. Von den 21 Kirmespaaren mit 42 Tänzern sind zwei besondere Menschen und hervorragende Persönlichkeiten nicht mehr unter uns: Christoph Trabert (Pinky) und Hiltrud Schäfer sind viel zu früh verstorben, Gott sei Ihrer Seelen gnädig.

Lasst uns auf ein schönes Fest in Schwarzbach hoffen und junge Leute immer wieder ermutigen, diese Tradition fortzusetzen. Lobt die Kirmespaare für ihr Engagement, damit die Kirmes nie untergeht:

Bee is de Kermes: schö is de Kermes!